Werbung für Casinos sieht man im Fernsehen zuhauf. Doch dieser neue TV-Spot sticht hervor: H.P. Baxxter von Scooter wirbt seit einigen Wochen für das Online-Casino Hyperino. Er verspricht: ein Casino ohne Schnick-Schnack, hyperschnelle Auszahlung und vieles mehr. Ein großer Promi, der für das umstrittene Glücksspiel Werbung macht? Das wollen wir uns näher anschauen und hinterfragen, warum H.P. Baxxter diesen Werbedeal angenommen hat.

Der Spot

Hyperino Werbespot (Youtube)

Zugegeben: der “Hyper”-Mann passt perfekt zur Marke. Schließlich ist der bekannteste Hit der Band der 90s-Technoklassiker “Hyper Hyper“. In dem ausschließlich vor einer Greenbox aufgenommenen Werbespot haut H.P. seine Werbezeilen in bester Scooter-Manier dem Zuschauer entgegen und schaut in die virtuellen Welten des Hyper-Spieleuniversums. Natürlich fehlen die Einblendungen nicht, dass eine Spielsuchtgefahr birgt und dieses Angebot nur für Spieler aus Schleswig-Holstein gelten soll. Zu letzterem erklären wir gleich noch, welchen Trick diese Werbung verfolgt.

Die Reaktionen der Zuschauer

Wenn Promis für offensichtlich umstrittene Produkte Werbung machen, brauchen Sie auf den Hohn der Fans und Zuschauer nicht lange zu warten. Allein unter dem Youtube-Video des Werbespots tummeln sich bitterböse Kommentare.

“Hyperschnell Seele verkauft” – von belustigt bis verwundert geben sich die Kommentatoren. Doch es hagelt nicht nur Kritik, einige Fans scheint die fragwürdige Werbung zu gefallen. Es gibt sogar eine Petition auf change.org, die fordert, außschließlich diesen Werbespot auf Privatsendern wie ProSieben zu zeigen. Ob das wirklich so ernst gemeint ist, darf man wohl bezweifeln. Schon allein der Petitionstext liest sich sehr unterhaltsam, bis dato haben aber nur neun Leute sich der Petition angeschlossen.

Wieso eigentlich Schleswig-Holstein?

Klären wir erstmal die zweite Frage, die sich die meisten Zuschauer stellen: warum gilt das Casinoangebot nur für Schleswig-Holstein? Und warum läuft der Werbespot trotzdem bundesweit im deutschen Fernsehen?

Zuerst einmal die positive Nachricht: Glücksspiel ist in Deutschland relativ hart reguliert. In vielen Bundesländern sind Casinoangebote wie Hyperino verboten, lediglich Schleswig-Holstein verteilt Lizenzen, die aber nur in ihrem Land gültig sind.

Doch die Glücksspiel-Branche ist clever: so gibt es theoretisch zwei “Hyperino”-Casinos. Hyperino.DE für die Zuschauer aus Schleswig-Holstein, mit Lizenz aus diesem Bundesland. Und für die übrigen Länder gibt es Hyperino.COM, ein nach deutschem Recht illegales Casino, das deshalb nicht im deutschen Fernsehen beworben werden darf.

Da im Spot aber nur von Hyperino.DE die Rede ist, darf der Spot mit entsprechenden Hinweisen im bundesweiten Fernsehen laufen. Wir vermuten aber stark, dass die Macher darauf kalkulieren, dass trotzdem viele Zuschauer zu Hyperino.COM finden. Wer bei Google nach dieser Marke sucht, wird nur die das .COM-Casino finden, hier haben die Seitenbetreiber bereits passende Vorkehrungen getroffen.

Hyperino.de (links) und Hyperino.com (rechts)

Ist Hyperino nicht illegal?

Pauschal illegal ist Hyperino – sowohl die .DE-Version als auch die .COM-Version nicht. Die .DE-Version hält eine gültige Lizenz für das Land Schleswig-Holstein. Die .COM-Version verfügt über eine maltesische Glücksspiellizenz, die nach europäischem Gesetz im gesamten EU-Gebiet gültig ist. Hier widersprechen sich allerdings deutsche und europäische Gesetzgebung.

Spätestens im Juli 2021 düfte dieser Konflikt sich jedoch legen, denn dann erlaubt Deutschland auch bundesweit Online-Casinos. Jedoch nur unter strengen Regularien. Sicher ist, dass der Hinweis “Dieses Angebot gilt nur für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Schleswig-Holstein” im Juli nächsten Jahres nicht mehr zu hören sein wird.

Warum wirbt Scooter für Glücksspiel?

Zugegeben, der Ruf von H.P. Baxxter war noch nie vergleichbar mit anderen Prominenten wie dem eines Günter Jauchs und Co. Trotzdem kratzt Glücksspielwerbung mit seinem Gesicht sicher an seinem Ruf.

Warum also hat er sich auf diesen Werbedeal eingelassen? Zuallerst: am Hungertuch scheint die 90s-Technolegende nicht zu leiden. Erst vor wenigen Monaten gab der Frontmann von Scooter dem Wirtschaftsmagazin Capital ein Interview zu seiner ersten verdienten Million.

Gewissermaßen ist der Deal jedoch auch ein Glücksfall. Im Interview erklärt er, dass Tourneen, Clubauftritte und Festivalgigs nun eine zentrale Einnahmequelle der Band sei. Doch solche Auftritte sind in Zeiten von Corona völlig unmöglich. Da wundert es nicht, dass H.P. Baxxter neben Hyperino auch für Strato Werbung macht. Wir vermuten jedoch stark, dass der maltesische Glücksspielanbieter H.P. eine deutlich verlockendere Summe für diesen Job geboten hat. Und außerdem erfolgt die Auszahlung hyperschnell. 😉